Meine Definition der Begrifflichkeiten:
Whisky Reifung: Ist die Aufnahme von Aromen aus dem Fass innehalb der Mindestlagerzeit von 3 Jahren. Bei gleichzeitigem "atmen" des Fasses (angelshare)
100% Übereinstimmung.
Veränderungen: Häuptsächlich durch Sauerstoff, UV-Strahlen und Temperaturschwankungen ist eine Flasche Whisky unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt, die den Inhalt beeinflussen. Diese Einflüsse wirken sich negativ auf den Inhalt aus. Ob es nach diesen Einflüssen besser/schlechter schmeckt ist subjektiv.
Ebenfalls Übereinstimmung, allerdings würde ich das Wort "negativ" streichen.
Der Inhalt verändert sich. Punkt. Ob positiv oder negativ hängt an Material und persönlichem Geschmack.
Flaschenreifung: Eine Reifung in einer Glasflasche gibt es nicht.
Würde ich für mich so nicht stehen lassen wollen.
Whisky verändert sich mit der Zeit, auch ohne den Einfluss der Faktoren, die Du bei "Veränderungen" anführst. Das heisst auch ungeöffneter Whisky, der Lichtdicht bei konstanter Temperatur gelagert wird, wird sich verändern.
Extrem langsam und kaum Nachweisbar, aber mit Sicherheit wird sich der Inhalt einer unter idealen Modellbedingungen eingelagerten Flasche nach 30 Jahren vom Ausgangsmaterial unterscheiden.
Allein schon weil die Reaktivität von Glas in der Regel falsch eingeschätzt wird. "Normales" Glas enthält immer SiO2, dadurch findet auch zwangsläufig eine basische Reaktion von Glas mit Wasser statt. Dagegen würde wahrscheinlich nur einfrieren oder anderes Glas helfen.
Ob man das ganze nun "Flaschenreifung", "Mikroveränderung" oder sonstwie nennt...
Und ob dieser Effekt dann auch für den Genießer einen tatsächlich schmeckbaren Unterschied ausmacht, steht nochmal auf nem anderen Blatt. Mangels Vergleichsmöglichkeit (siehe mein Vorpost) werden wir's wahrscheinlich nie erfahren...
Guter/schlechter Whisky: Ich habe nach vielen Jahren Whiskygenuß mein "Geschmacksfeld" soweit gefestigt, daß sich in der letzteren Zeit nicht mehr viele Änderungen zeigen. Daher meine Definition für mich wie folgt. Habe ich einen Scottch vor mir (singlemalt), der aus einer Destillerie stammt, die keiner Massenproduktion betreibt und der Tropfen in meinem Geschmacksfeld liegt, ist es für mich ein guter Whisky.
Das soll aber nicht heißen, daß ich nicht auf die Vielfalt, der mir noch unbekannten Abfüllungen neugierig bin. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit probiere ich gerne Neues (bzw. Altes). Nicht zuletzt bei Tastings, die ich immer mal wieder besuche. Jetzt bin ich gespannt auf Eure Definitionen.
Die Unterscheidung guter/schlechter Whisky muss ja letztlich sowieso jeder für sich selber treffen. Geschmack/Geruch ist nunmal das subjektivste Empfinden das ich kenne...
Meine objektiven Kriterien für vernünftige Whisk(e)ys:
- bevorzugt ein schottischer Malt (Grain hat mir zu oft einen kratzigen, bitteren Beigeschmack), aber es gibt auch sehr gute Rye's,wie ich kürzlich erfahren durfte
- ein gewisses Alter (die Sprittigkeit oder "Metalligkeit" sollte also schon abgebaut sein und additiv sollte bereits etwas vom Holzeinfluß ins Faßwasser gelangt sein)
- gerne etwas mehr ABV als die Mindestgrenze von 40%, damit man noch Reserven für ein paar Tropfen Wasser hat
Alles weitere ist dann eine reine Geschmacksfrage.
Zur von Dir angesprochenen "Massenproduktion": wie definierst Du das?
Nach Ausstossmenge? Nach Vermarktungsgrad?
Ich meine, von den knapp 100 Brennereien in Schottland sind nach dem Verkauf von Bruichladdich nur noch 11 wirklich unabhängig/selbstständig (Arran, Benromach, Bladnoch, Daftmill, Edradour, Glenfarclas, Glengoyne, Kilchoman, Speyside, Springbank & Tullibardine).
Der ganze große Rest gehört somit multinationalen Konzernen, die entsprechend mehr oder minder als Massenprodukt vermarktet werden.
Ich weiß nicht, wo man da eine Grenze zum Massenprodukt ziehen soll?
Bsp:
Lagavulin -> Multikonzern (Diageo) -> Ausstoss von ca. 2 mio Liter
Glenfarclas -> unabhängig (Familienbesitz) -> Ausstoss von ca. 3 mio Liter
Welcher ist Massenproduktion, welcher nicht?
Der, der mehr produziert? Oder der, der dem großen, bösen Multi gehört?
Finde ich ein ganz schwieriges Thema...
Bin gespannt auf Meinungen

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