Ich glaube, ihr seid gerade zu streng mit Herder.
Mich wundert es, dass sich diese Manufaktur überhaupt noch halten kann.
Kosten steige, Personal zu finden wird schwieriger, dazu verhältnismäßig geringe Produktionsmenge....
In meinem Umfeld kennen alle Zwilling oder WMF, aber Windmühle kennen sie nur durch mich.
Ich halte die Windmühlenmesser auch aktuell noch für fair im Preis.
Messer aus billiger Massenproduktion in Billiglohnländern werden teilweise zu weitaus höheren Preisen vertrickt.
Die Auslagerung der Reperatur bedeutet vielleicht die Rettung vor dem Konkurs.
Zu meinen bisherigen 5 Windmühlenmessern habe ich mir jetzt noch ein K4 bestellt.
Vielleicht hast Du recht.
Ich möchte mal einen Schwank aus meiner Sammlerzeit erzählen:
Vor ungefähr 10 Jahren war ich (mal wieder) zum Tag der offenen Tür im Herderwerk. War spät dran, Stau nahe Köln, die Bude war bereits zum Bersten voll. Die Windmüller bauen lange Tischreihen mit Verkaufsangeboten auf in ihren schmalen Gängen, doch Schnäppchen sucht man seit 2010 vergebens, alles ist UVP.
Ich kaufe normalerweise nicht die Katze im Sack und nehme die Messer aus ihren Verpackungen heraus, um ihre Verarbeitung zu prüfen, schließlich kenne ich meine Pappenheimer. Das hat mir schon einige böse Blicke beschert.
An einem der Stände sah ich ein Brotmesser Ellenlang mit einem Olivenholzgriff zum Niederknien!
Herrliche wilde Maserung aus allen Blickwinkeln.
Die Veranstaltung lief seit Stunden, warum hat mir das Messer nicht schon längst jemand weggeschnappt?
Als ich dann die schiefe Lage gepeilt hatte, wußte ich, warum: die Klinge war dermaßen verzogen, daß sich die Blisterpackung nicht richtig schließen ließ. Das Messer schnitt buchstäblich um die Ecke!
In ihren Prospekten weist die Windmühle immer wieder darauf hin, daß die Klingen bis zu 65mal in die Hand genommen und weiterverarbeitet werden. Den Schleifern mache ich keinen Vorwurf, dünngeschliffene Klingen sind flexibel. Dann werden die Griffe montiert und es wird geschaut, wie die Griffschalen oder -schlitze fluchten. Anschließend werden die übermaßigen Griffe abgeschliffen und ausmodelliert. Keinem fällt die fürchterlich krumme Klinge auf, nein, es wird sogar der allerschönste Holzgriff drangepappt. Spätestens in der Verpackung muß doch jemand gemerkt haben, daß sich die Blisterpackung nicht richtig schließen ließ?
Das ist kein isoliertes Extrembeispiel gewesen. Ich habe in über 20 Jahren buchstäblich Hunderte solcher Fehlleistungen gesehen, selbst in hochpreisigen Serien wie "Collection" (Grandmoulin, Katana-Moulin), "1922" oder der neueren "K-Serie". Ich habe damals für mich gelernt, daß Windmühlenmesser online zu bestellen eine Art Lotteriespiel ist und ich immer gleich mehrere Exemplare ordern muß, um eine kleine Auswahl zu haben. Manchmal war ich zu faul, die übrigen Messer wieder zurück zu schicken, und so kam im Lauf der Zeit eine kleine Sammlung zustande. Das ist bei den heutigen Preisen (und der begrenzten Verfügbarkeit) kaum noch möglich.