Ich hatte Untersau. Gestern war perfektes Wetter, nicht mehr so abartig kalt, Mond auch ganz gut, Kirrung angenommen.
Guten Mutes packe ich mein Gerödel zusammen, verzichte sogar auf die Sohlenheizung.
Ich hab mir einen Sitz ausgesucht, im tiefsten Dschungel gelegen. Ein Sauenparadies. So ähnlich heißt auch der Sitz. Der Aufseher hat mir noch verraten, daß sein Bruder, der kirrt, zu berichten wußte, daß die Fütterung gut angenommen ist.
Im Herbst haben uns die Forstarbeiter freundlicherweise eine Schneise in das Dickicht gefräst. Das sollte sich im weiteren Verlauf des Abends noch als sehr günstig erweisen.
Gegen viertel nach 6 steige ich aus dem Auto, kurzes Telefonat mit dem Aufseher, "Freigabe" besprechen und so.... Ich wandere los, hinab in die grüne Hölle. Also wenn sie grün wäre. So ist es nur eine Schlammhölle. Mit jedem Schritt wird es steiler und der Schlamm schlimmer. Mir wird angst und bange bei der Vorstelleung da später am Ende noch eine Sau hochzerren zu müssen. Wenn ich in diesem Moment gewußt hätte, wie schnell sich das bewahrheiten soll, ich wäre glaube ich umgekehrt.
Egal. Ich steige auf den Sitz, richte mich ein, sondiere in der einbrechenden Dämmerung das Geschehen und freue mich insgeheim über die Ausgangssperre nach 18 Uhr. Wenigsens Ruhe im Wald.
Es tut sich nicht viel, in der Ferne höre ich Rehe schrecken, ansonsten passiert nicht viel. Gegen 10 vor 7 höre ich es im Dickicht knacken und grunzen. Das kenne ich schon, heißt normalerweise nicht unbedingt was. 7 Uhr, es wird lauter. fünf nach 7. Die Sauen stehen 50 Meter vor mir auf der Schneise.
Bloß nicht bewegen. Sie kommen näher, womit meine Frage, wo der Mais liegt beantwortet war. Ich lasse sie auf geschätzte 40 Meter rankommen.
Gehörschutz aufsetzen. Glas greifen, die Situation genauer begutachten und einschätzen. Ich sehe geschätzt 20 Wutzen, 3 "Große", schätze 50+ Kilo und der Rest sind Frishclinge in der Klasse 20-25 Kilo. Perfekt also und genau in der freigegebenen Größe. Von Gestreiften ist nichts zu sehen. Wohl an denn, das Unheil nimmt seinen Lauf.
Rotpunkt auf kleinste Stufe. Ziel erkannt und angesprochen, Vorder & HIntergelände frei, natürlicher Kugelfang gegeben.
Ich suche mir eine Sau am rechten Rand des Geschehens aus, eingestochen ist, der Rotpunkt wandert dahin, wo die 7X64 S&B schlagartig für Ruhe sorgt.
Bumm. Vorbei ist es mit der Stille, Chaos bricht aus, ich sehe durch´s ZF wie sich zwei Schweinchen gegenseitig über den Haufen rennen.
"Meine" Sau liegt, kurzes Schlegeln. Ruhe. Repetiert ist schon, ich bleibe noch auf der Wutz, aber nichts tut sich mehr. Sichern, Waffe ablegen. Durchatmen, Gehörschutz runter. Dann schüttelt es mich. Das Jagdfieber. Seit längerer Zeit mal wieder.
Ich angele mir die Flasche Sauerkrautsaft aus dem Rucksack. Mit zittrigen Fingern gelingt es mir, sie zu öffnen. Nach fünf Minuten ist die Hand soweit ruhig, daß ich schrieben kann, Nachricht an den Aufseher.
Ich trinke in Ruhe meinen Sauerkrautsaft, packe zusammen und gehe zur Wutz.
Foto für den Aufseher, Rucksack als Größenvergleich.
Dann nimmt das Drama seinen Lauf. Ich versuche die Sau den Berg hoch zu zerren. In dem Schlamm nicht nur extrem anstrengend, aber schlicht und ergreifend nicht zu machen, weil bei jedem dritten Schritt die Schwerkraft gewinnt.
Ich lasse die Sau Sau sein, trage das Gepäck ans Auto und rufe den Bauern an, ob er denn mit dem kleinen Trecker kommen könnte.
Dieser böse Mensch hat mich warten lassen.

Er wollte noch fertig essen. Skandal.
Es dauert eine Viertelstunde, dann höre ich es knattern. Er kommt mit dem Quad. Wutz aufladen auf den Weg bringen. Unvorstellbar. Am Auto angekommen hab ich ihn schnell aufgebrochen. Der Bauer hat mir von einer Polizeikontrolle mitten im Dorf erzählt. Wir haben uns dann darauf verständigt, daß er die Wutz mitnimmt, duscht, und in die Kühlung hängt. Weil - Ausgangssperre in Frankreich. Ich habe zwar die Erlaubnis, nachts zur Jagd zu gehen. Aber.... "ausländisches" Auto, also nicht nur deutsche Zulassung, sondern auch noch ein Kennzeichen von ganz weit weg - Firmenwagen -, Waffe im Auto und überhaupt. Besser nicht in die Kontrolle.
Probe in den Briefkasten, am Mittwoch mach ich sie klein. Und ich muß dem Bauern eine Kiste Sauerkrautsaft mitbringen. Ist ja wohl das mindeste, nichtwahrnicht.
Ein bissi enttäuscht war der Bauer, daß ich nicht eine von den Bachen geschossen hab. Aber auf das Thema bin ich nicht eingegangen. Der mag die Schweine einfach nicht.....