Hallo,
Ich muss den Bogdan nicht testen, um zu wissen, dass es ein Schleifsystem ist, das Winkelkontrolle und Druckkontrolle abgibt, denn das ist ja gerade die Leistung und der selbstgestellte Anspruch dieses Systems. Da kann ich den Vorwurf man solle nicht beurteilen, wenn man nicht getestet hat, nur als Maulkorb verstehen.
Wie ich schon gesagt habe, die Druckkontrolle wird nicht abgegeben, sondern man hat sie zum ersten mal im Griff. Wenn du glaubst mit freier Hand auf einem Stein den Druck beim Schleifen vollständig kontrollieren zu können, kein Ding! Das ist keine Streitfrage mehr für mich, die es zu klären gilt.
Es spricht in der Regel nichts dagegen sich Wissen anzulesen und von den Berichten anderer zu profitieren. Ich mache das ja auch nicht anders und lese viel und überall mit. Alle Foren sind ja weitgehend öffentlich zugänglich. In diesem Fall reichen aber angelesene Informationen nicht aus, um mir zu erklären, was an diesem Schleifsystem Fakt ist und was nicht. Ich habe mir nach langen hin & her so ein Ding von Bogdan bauen lassen und die Bestellung incl. Zollabwicklung von Serbien nach DE war nicht unkompliziert, aber es ist angekommen. Seit Freitag sitze ich an dem Apparat und probiere alles mögliche aus.
Ich wollte mir selbst ein Bild von diesem umjubelten Gerät machen und bin nach dem Aufbau und Studium der in Netz zu sehenden Videos erst am Anfang meiner Erfahrungen, aber ich weiß bestimmt mehr über die tatsächlichen Funktionen als du. Sonst hätte ich mich nicht gestern zu diesem Thema hier geäussert wie ich es gemacht habe.
Du hast den Zweck der Druckkontrolle nicht völlig verstanden. Sie macht alle Messer gleich, weil es deren Eigengewicht auf Wunsch aufhebt. Natürlich kann ich wieder beliebig Druck auf den Stein bringen, wenn ich das will, auch bei justierter Druckkontrolle. Deshalb kommt es auf den korrekten Bewegungsablauf bei der Vorwärtsbewegung an. Der kann mit eingestellter Druckkontrolle einen bestimmten Auflagedruck haben, oder keinen und die Schneide gleitet nur über den Stein. Zweck ist, bei fein ausgeschliffenen Klingen unter 0,15mm an der Wate, eine plastische Verformung der Schneidenspitze auszuschliessen und so ein präzise Facette anzusetzen die auch unter dem Mikroskop sauber aussieht. Bei Solingern mit 0,5mm an der Wate und stumpfem Winkel passiert das natürlich nicht.
Zum halten des Winkels ist zu sagen, das niemand freihand den Winkel gradgenau beidseitig an einem Messer halten kann, ein Bogdan aber schon, sofern exakt ausgemessen und justiert wird, was seine Zeit dauert und wohlgemerkt Nerven kostet, bis die Klemme präzise justiert ist, weil Messer auch unsymmetrisch geschliffen sind und nicht einfach mittig geklemmt werden können.
Es braucht also schon Verständnis für den Ablauf und den Apparat, aber bei weitem nicht so viel gesammelte Erfahrung wie beim gekonnten Freihandschleifen. Ich hab ja vor dem Bogdan auch meine Messer abgezogen, mit Augenmaß eben und nicht so genau. Jetzt erziele ich eindeutig bessere und schärfere Ergebnisse als davor, bei ( noch?! ) deutlich längerer Vorbereitung, aber ich wollte das so, drücke das auch keinem auf's Auge, also mein Bier.
Das mit wenig Druck, viel weniger als von Hand, auch weniger Material abgenommen wird, steht für mich auch ausser Streit. Die Relevanz kann man in Frage stellen, selbstverständlich! Nicht aber die Tatsache, dass es druckkontrolliert geführt präziser geht.
Was ich in den letzten Tagen der Beschäftigung herausgefunden habe, so einfach und simpel wie es im KMS-Forum beschrieben wird ist es auch wieder nicht. Das Fixieren der Klinge in der Klemme dauert seine Zeit und 1°-1,5° Grad Abweichung bleiben bei flotter Montage der Klinge immer, erst ein weiteres hin und her mit gemessenem Winkel ( Digital ) führt zu einer Abweichung nahe Null. Wenn es in ein paar Wochen nicht flotter geht, liegts an der Konstruktion, jetzt vielleicht noch an mir.
Da brauchts dann keine S&G Steine mehr, weil das einfach nicht schnell geht, oder ich es eben noch nicht schneller schaffe.
Jedes Argument das sei Unsinn, übertrieben, unnötig usw. ist schon recht! Ebenso ist es mir aber als durchschnittlich begabter Schleifer gelungen, meine Messer auf eine Schärfe zu bringen, die sie noch nie zuvor hatten. Wenn jetzt noch was an der Verlängerung der Standzeit dran ist ( wird unter meinen Umständen lange dauern, dass ernsthaft beurteilen zu können ) dann stört auch das Aufbau-und Justageprozedere nicht, wenn ich einen Nachmittag pro Halbjahr/Jahr mit Messerschleifen zubringe.
Das Ausdünnen von Messern werde ich immer anderen überlassen, weil der Aufwand in keiner Relation zu den Kosten steht.
Hier gibst du doch indirekt sogar zu, dass man die Schleiffähigkeiten nicht entwickelt, weil man es nicht muss. Da kannst du doch nicht auf die Palme gehen, wenn man genau das, wessen sich das System rühmt, (Fertigkeit wird in den Apparat verlagert) auch als Nachteil sehen kann, wie Carter das tut.
Wenn jemand gerne und viel und als Selbstzweck schleift, dann soll er bitte schön seine Schleiffähigkeiten entwickeln, da spricht ja nichts dagegen. Hier finden sich aber keine leidenschaftlichen Schleifer, sondern alles praktisch orientierte Leute, die kochen, grillen und dazu Messer brauchen, die sie halt ab und an schleifen müssen. Wer von denen mit ein paar Ausnahmen beginnt stundenlang alte Messer zu Übungszwecken zu schleifen um sich weiterzuentwickeln?
Das was nötig ist, wird hier gemacht, darüber hinaus hab ich noch nicht viel gelesen. Jeder soll nach seiner Ansicht seine Messer scharf machen, ich werde da niemanden belehren. Nur erzähl mir bitte nicht, wie es mit dem Apparat von Bogdan so läuft und was der kann und was der nicht kann und dass das freihand auch alles genauso machbar ist usw., wenn Systemschleifen in dieser Art und Weise für dich ohne nähere Kenntnis ist.
Lg valdez