Die schöne neue Welt des (ultra-) hochauflösenden Fernsehens ….. Teil 1
Mittlerweile sind zwei Wochen in der neuen und bunten UHD-Welt rum, so dass es Zeit für ein Zwischenfazit ist. Die gute Nachricht zuerst: Ich hab es geschafft einen 4K-Film abzuspielen, aber der Weg bis dahin ist sehr, sehr steinig.
Aber beginnen wir von vorn, zunächst mit der Hardware, von der ich nun viele Dinge weiß, die ich eigentlich noch nie wissen wollte. Letztendlich bringt die UltraHD -Welt (Phase 2) drei wesentliche Neuerungen:
- Eine höhere Auflösung (3840 × 2160 bei 16,9), also mit über 8 Megapixeln die 4fache Auflösung des bisherigen FullHD (1920 x 1080)
- Ein mehr als doppelt so großer Farbraum (Rec.2020) gegenüber FullHD (Rec.709) und dynamische Kontrastanpassung mit HDR
- Einen neuen Surround-Sound (9.1), der auch die Decke mit einbezieht und jeden Lautsprecher einzeln ansteuern kann
Wenn man bedenkt, dass der UltraHD-Standard bereits vor 5 Jahren beschlossen wurde und es seit 4 Jahren UHD-Fernseher gibt, müsste man ja annehmen, dass die Technik mittlerweile ausgereift sei, aber das Gegenteil ist der Fall. 2017 ist im Grunde das Jahr, wo UHD beginnt und es ist keinesfalls sicher, wo die Entwicklung hinführen wird.
Das Einzige, über das Einigkeit besteht ist Punkt 1 die Auflösung, alles andere ist noch im stetigen Fluss.
Punkt 2, das Thema HDR ist derzeit noch ein einziges Chaos. Die ersten UHD-TVs konnten kein HDR, was nicht nur dazu führt, dass man als Besitzer eines solchen TV die Farbdynamik nicht genießen kann, sondern aktuelle HDR-Filme nicht vernünftig schauen kann, da sie viel zu dunkel auf dem TV sind. Wer jetzt aber glaubt, nur weil HDR auf seinem neuen Fernseher steht, sei er auf der sicheren Seite, der irrt, denn „normales“ HDR (PQ 10 Bit) ist im Grunde schon wieder out. Das bisherige HDR bietet nur die Möglichkeit, die Kontrasteinstellung für den gesamten Film festzulegen, während neue HDR-Verfahren dies dynamisch für jedes Bild definieren können. Leider gibt es dafür zwei konkurrierende Standards und es ist nicht klar, welcher sich durchsetzen wird (auch wenn ich persönlich auf DolbyVision tippen würde). Da Samsung keine Lust hatte, für das eigentlich beschlossene HD-Blu-ray-Format Dolby Vision (PQ dynamisch 12 Bit) Lizenzgebühren zu bezahlen, haben sie kurzerhand ihr eigenes Format entwickelt, namens HDR10+ (PQ dynamisch 10 Bit) und stellen es anderen Herstellern kostenlos zur Verfügung. HDR10+ wird aktuell von Philips, Panasonic und auf der Inhaltsseite von Amazon und 20th Century Fox unterstützt. Dolby Vision hat LG und Sony im Boot, sowie Apple und Netflix beim Content. Um die Lage noch etwas unübersichtlicher zu machen, kann man Dolby-Vision nur ab HDMI 2.1 übertragen. Das „kleine“ Problem ist nur, dass es außer der X-Box One im Grunde noch keine Geräte mit dieser Schnittstelle gibt, insbesondere keine Verstärker. Wer also den heimischen AV-Receiver nutzt hat (bis auf wenige Ausnahmen) gar keine Chance, das Dolby-Vision Signal vom HD-Blu-ray-Player oder der Streaming Box zu seinem TV zu bringen. Zusätzlich gibt es noch ein viertes HDR-Format namens Hybrid Log-Gamma (HLG 10 Bit), das die Fernsehsender wie Sky benutzen, damit ihr Bild abwärtskompatibel ist. Ab Modelljahr 2017 sollten alle modernen UHD-TV das Format HLG zusätzlich zu HDR (oder HDR10+/DolbyVision) unterstützen, mit einem älteren UHD-TV kann man ansonsten keine hochauflösende Fernsehprogramme sehen.
Der AV-Receiver ist dann auch das nächste Stichwort womit wir bei Punkt 3 wären.Denn genauso chaotisch wie beim Bild, ist Situation beim Ton. Auf der einen Seite gibt es Dolby Atmos auf der anderen Seite mit DTS:X und Auro 3D zwei weitere konkurrierende Tonformate. Die neuesten Receiver unterstützen teils Atmos und Auro, bei manchen kann man Auro 3D für einen saftigen Aufpreis als Update nachrüsten. Welcher Standard sich aber letztendlich durchsetzen wird, kann man nicht sicher sagen (mein Tipp wäre Dolby Atmos).
Kurzfazit:
Wer heute einen UHD-Fernseher kauft, darf sich getrost zu den Early-Adoptern zählen. Sowohl beim Bild als auch beim Ton ist noch nicht klar, welche Standards sich durchsetzen werden. Wenn man also nicht gerade ein neues TV braucht, macht es durchaus Sinn noch 1 Jahr bis zu nächsten IFA zu warten. Zusätzlich sollte man auf jeden Fall die Finger von älteren Auslaufmodellen lassen, da man ansonsten u. U. einen UHD-Fernseher hat, auf dem man keine UHD-Inhalte schauen kann.
(Teil 2 zu den Inhalten folgt, da sieht es ähnlich unübersichtlich wie bei der Hardware aus).