Frage:
ist es nicht auch interessant mal der Natur ihren Lauf zu lassen und etwas zu experimentieren damit man auch eigene Erfahrungen erlangt ?
Du nimmst die Schalen eines frisch geschälten Bio-Apfels, gibst sauberes Wasser und etwas Honig dazu. Nach ein paar Tagen kommt etwas Mehl und wieder Wasser dazu. Was daran entspricht nicht deiner Vorstellung von "der Natur ihren Lauf lassen"?
Andererseits begeben wir uns mit diesem Credo "der Natur ihren Lauf lassen" auf dünnes Eis: In der Natur braucht es keinen Sauerteig. Wenn wir Mehl und Wasser mischen beginnt ein Prozess der in der Natur überall anzutreffen ist: Die im Getreide (bzw. Mehl) vorhandenen Enzyme beginnen das Getreide (bzw. Mehl) zu zerlegen und die allgegenwärtigen Mikroorganismen verwerten die Abbauprodukte der Enzyme. In der Natur sind die enzymatischen Abbauprozesse die ersten Schritte entweder eines "Wiederauferstehungs-"(->Keimen) oder eines "Müllverwertungs-Prozesses" (->Verrotten) und diese Prozesse führen weder notwendigerweise zu einem Sauerteig noch enden sie dort.
Ich bin mir nicht sicher, ob du weißt, wieviele eigene Erfahrungen man durch den Umgang mit Fermentationsexperimenten erlangen kann, aber ich versichere dir, daß nicht notwendigerweise alle dieser Erfahrungen positiv sind.
Wenn wir also gerne einen Sauerteig hätten, was spricht denn dagegen,
durch gezieltes Steuern der Umgebungsparameter jene Mikroorganismen zu fördern, die für uns nützliche Produkte erzeugen und jene einzuschränken, die für uns schädliche Produkte erzeugen?
Die Menschheit versucht jetzt seit mehr als 10.000 Jahren Nahrungsmittel durch Fermentation (besser) genießbar oder haltbar zu machen. Ein Sauerteig ist nur ein kleiner Teil davon, aber es geht immer darum, jene Mikroorganismen zu fördern, die für unseren eigenen Organismus nützlich - oder zumindest nicht schädlich sind. Und im Gegenzug sorgen diese MO dafür, daß andere MO - also auch jene die uns schaden können - kein ausreichendes Nahrungsangebot bzw. keine günstigen Lebensbedingungen vorfinden...