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Tom Kha in allen Variationen

Scharbil

Zwiebelkönig
10+ Jahre im GSV
★ GSV-Award ★
Tom Kha (gelegentlich auch Tom Ka) ist eine asiatische, pikante Suppe auf Basis von Hühnerbrühe, Kokosmilch, gewürzt mit Galgant, Zitronengras und Limettenblättern. Es gibt sie als Tom Kha Gai mit Hühnerfleisch, Tom Kha Gung mit Garnelen oder in vielen anderen Variationen.

Ich hatte eine Tom Kha Gung mit Garnelen zum Betzenstein-OT am Start. Die Resonanz war erfreulich und ich bin von mehreren GSVlern gebeten worden, das Rezept einzustellen. Weil es sich um eines meiner Lieblingsgerichte handelt und weil ich davon viele Varianten habe, ist es nicht nur ein kleiner Beitrag im Rezepte-thread geworden, sondern ein längerer Bericht. Tom Kha gibt es bei mir in praktisch allen Lebenslagen.

Grundlage – die Brühe

Basis für die Suppe ist Kokosmilch. Ich nehme ausschließlich die von AROY-D. Ich habe mich durch viele Produkte durchprobiert und bin letztlich bei dieser gelandet. Wobei gelandet etwas ungenau ist. Hier in Dresden gibt es einen ausgezeichneten Asia-Laden, in dem ich die Leute gefragt habe, was man am besten nimmt bei der großen Auswahl. Die Antwort war eindeutig – ausschließlich AROY-D. Und tatsächlich. Ich kann nicht sagen warum, aber das Ergebnis spricht für sich. Die Konsistenz ist eine andere; richtig cremig wird es nur mit AROY-D.

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Ich mische die Kokosmilch zu etwa 50 % mit Hühnerbrühe. Es geht aber auch Gemüsebrühe, Rinderbrühe oder, wenn ich gar nichts habe, Wasser mit Glutamat. In diese Mischung kommen die Limettenblätter und die im Handel erhältliche Tom Kha-Paste. Diese Pasten gibt es in vielen Varianten, hier zu sehen ist beispielsweise Tom Yum-Paste, die deutlich schärfer ist.

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Sodann wird diese Basis abgeschmeckt. Notwendig ist eine gut Prise Zucker. Ob ich salze, hängt von der Qualität der Brühe und meiner persönlichen Tagesform ab. Ganz wichtig ist Fischsauce. Hier gilt der alte Grundsatz von Werner – mit dem Öl nicht sparsam sein. Man verwende ausschließlich die beste Qualität (das ist die hier im Bild links zu sehende Red Boat, aber auch das rechte Produkt bringt gute Ergebnisse). Wenn man keine Fischsauce zur Hand hat, kann man sich auch mit vegetarischer Fischsauce behelfen. Beim OT in Betzenstein hatte ich Austernsauce von @Miriadriel, welche ebenfalls hervorragende Dienste geleistet hat.

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So lasse ich die Suppe ein wenig auf ganz kleiner Flamme vor sich hin ziehen. Die Suppe soll nicht kochen, da sie sonst abscheißt. Die letzten 5 Minuten gebe ich Tomaten hinzu. Das können geviertelte Tomaten sein, wenn sie etwas größer sind. Cherry Tomaten halbiere ich nur, die ganz kleinen kommen ganz in die Suppe. Die Tomaten sollen nur angaren, nicht zerfallen oder zerkochen. Aber hierdurch verbinden sich meiner Erfahrung nach die verschiedenen Aromen sehr gut.

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Ganz zum Schluss noch einmal abschmecken. Fehlt vielleicht etwas Säure? Oder möchte ich nachschärfen? Hier ist erlaubt, was gefällt.

Variante „Judasohr“

Stellt euch vor, ihr lauft im Winter durch den Wald, kommt an ein paar abgestorbenen Holunderbüschen vorbei und findet schöne frische Judasohren. Diese werden abgezupft und mitgenommen. Judasohren sind praktisch geschmacklos, haben aber eine ganz besondere Konsistenz und vermitteln ein sensationelles Mundgefühl. Hier nimmt man die Suppe, gibt ein paar dünn geschnittene Möhren hinein, angebratenes Hühnchenbrustfilet und die kurz in Butter sautierten Pilze. Mit dem Grün von Frühlingszwiebeln (hier sehen wir Schnittknoblauch) und einer Schüssel Reis ist das ein wunderbares Gericht geworden.

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Variante „OT“

Zum OT in Betzenstein hatte ich sehr schöne Garnelen besorgt. Wildfang aus Argentinien. Die Garnelen werden längs in der Mitte eingeschnitten, sodass man sie aufrecht hinstellen kann. Auf der Feuerplatte werden die Garnelen von unten scharf angegrillt und von oben mit dem Bunsenbrenner bearbeitet. So haben wir gewissermaßen drei Konsistenzen: angegrillt bzw. angebraten von unten, fast noch roh in der Mitte und angekokelt von oben. Vermittelt ein herrliches Mundgefühl und ist geschmacklich top.

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Dazu kamen auf die Grillplatte Pilze aus dem Asia-Laden (keine Ahnung, wie die genau hießen), halbierte Zuckerschoten und Tomaten. Alles wird gleichzeitig gebraten und so gut es geht angerichtet. Danke an @FrankST für die Bilder!

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Wichtig ist in dieser Variante Öl von geröstetem Sesam. Dieses verteile ich mit einer Pipette über die angerichtete Suppe. Gibt ein besonders tiefes und volles Aroma.

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Variante „Sternetrinker“

Wenn die Sternetrinker kommen, darf es das volle Programm sein. Hier sehen wir wiederum kleine Pilze, Tropfen-Tomaten, halbierte Zuckerschoten und die Garnelen. Dazu kam gebackener Hokkaido-Kürbis und halbierte, gebackene Zwiebeln. Schön in die Teller eingesetzt und mit der Suppe aufgegossen. Sesamöl nicht vergessen!

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Bei dieser Variante habe ich die Kokosmilch nicht schlicht mit Hühnerbrühe aufgesetzt. Sondern die Hühnerbrühe wurde einreduziert, hin zur Anmutung einer Consommé. Das verleiht dem ganzen Teller noch einmal eine ganz andere Tiefe. Lohnt sich wirklich, ist aber natürlich entsprechend aufwendig. Der Kürbis hatte sich aufs vortrefflichste in das Gericht eingefügt; die hier zu sehende Variante ist für mich persönlich die Endstufe, das, was ich erreichen möchte.

Variante „Nudelgericht“

Man nehme Mais-Nudeln (es geht auch eine Reis-Mais-Nudel), koche diese, lasse sie kalt werden und brate sie dann in 50 % Butter/50 % Olivenöl. Klingt verrückt, ist aber großartig. Die gekochten und gebratenen Mais-Nudeln bekommen eine besonders knusprige Konsistenz, wie man es mit gekochten und gebratenen normalen Nudeln nicht hinbekommt. Ich liebe diese Variante.

Dazu gebe man halbierte, durchgeschwenkte Zuckerschoten, die wie oben vorgestellt behandelten Garnelen und gieße mit der Brühe auf. Aus der Brühe kommen die 5 Minuten mitgegarten Tomaten, wie ebenfalls oben beschrieben. Hat natürlich nichts mit einer klassischen Tom Kha zu tun, aber die knusprigen Nudeln mit den Schoten (die ebenfalls noch Biss haben), den butterweichen Garnelen und den frischen Tomaten sind eine Verbindung der wundervollen Art.

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Also ihr seht, was man alles mit wenig Mühe und ein paar einfachen, aber guten Zutaten anstellen kann. Sehr zur Nachahmung empfohlen, ich erwarte Eure Varianten!

Danke fürs Reinschauen!
 
Hallo Tobias,

Geiler thread! Das sieht wirklich hervorragend aus. Ich nehme die Variante Mu Err. Danach von allen anderen auch ein wenig :)
Schöne Suppe!
 
Ich mag meistens keine Tom Kha Suppe aber die war traumhaft!!

Die Pilze vom OT würde ich als braune Buchenpilze identifizieren 😅
 
Lieber Tobias,

wie immer sehr lecker!

Mit der Kokosmilch von Aroy-D hast Du recht: Sie ist die beste Wahl, weil sie emulgiert ist.
Unbehandelte Kokosmilch ist ziemlich wärmeempfindlich, da ist es immer eine Gratwanderung zwischen Emulgieren und Abscheissen.
 
Hey Tobias, danke für den Bericht. Werde Ich definitiv nachbauen in verschiedenen Varianten. Danke für die Mühe.
Bis in fünf Wochen.
Grüße😉
 
Toller Bericht, danke! Animiert zum Nachmachen.
 
Ich wehre mich noch immer etwas mit Cocosmilch zu machen, bin eher der Typ der "klaren Brühe"
im Sinne einer Pho.

Der Widerstand lässt merklich nach, zumal ich hier ein erprobtes und gelungenes Rezept vor mir habe.

Danke für die Inspiration und Danke für Deine Bemühungen :thumb2:
 
Mit der Kokosmilch von Aroy-D hast Du recht: Sie ist die beste Wahl, weil sie emulgiert ist.
Unbehandelte Kokosmilch ist ziemlich wärmeempfindlich, da ist es immer eine Gratwanderung zwischen Emulgieren und Abscheissen.
das gerinnen ist Teil der Gerichte und das Geschmacks. Wenn sie "europäisch" emulgiert schmecken die Thaigerichte "flach".
Es ist schwierig unbehandelte, ohne Bindemittel zugefügte zu bekommen. leider!
Frische zu machen ebenso, weil die Kokosnüsse oft innen angefault sind (und man das beim ausschaben nicht sieht)

Btw. ohne Galgant ist es keine "Kaa" - nue eine "Tom" (Suppe)
Meine Lieblingssuppe ist Tom Kaa Gai
 
das gerinnen ist Teil der Gerichte und das Geschmacks. Wenn sie "europäisch" emulgiert schmecken die Thaigerichte "flach".
Es ist schwierig unbehandelte, ohne Bindemittel zugefügte zu bekommen. leider!
Frische zu machen ebenso, weil die Kokosnüsse oft innen angefault sind (und man das beim ausschaben nicht sieht)

Btw. ohne Galgant ist es keine "Kaa" - nue eine "Tom" (Suppe)
Meine Lieblingssuppe ist Tom Kaa Gai

Die Rewe Bio hat keine Emulgatoren drin soweit ich weiß 😅
 
Vielen Dank, Tobias für diesen Beitrag - die Suppe am OT war genial und schreit förmlich danach, nachgebaut zu werden...
Ich werde mich mal auf die Suche nach den Zutaten begeben und schauen, ob ich die auch so toll hinbekomme wie Du.....
 
Hallo,
Eindeutig meine Lieblingssuppe, allerdings verzichte ich auf Paste.
Erstmal Klugscheissermodus: Mit Garnelen ist es Tom Kha Gung. Das Gai (eigentlich Kai) heißt Huhn.

Kokosmilch entweder die Aroy D, welche mir allerdings noch besser schmeckt ist die Real Eigenmarke. Kaum Wasseranteil, extrem cremig. Auf jeder Dose steht übrigens der Anteil Kokosextrakt, da sind die „TIP“ Dosen teilweise besser als doppelt so teure Asisa Cusine.

Wenn man „richtige“ Hühnerbrühe hat 50/50, ansonsten Hühnerfond etwas verdünnen.
Jetzt das eigentlich namensgebende Galgant. Gibts hier selten, ich ersetze meist durch Ingwer, geht (fast) genauso gut. In jedem Fall besser als Paste.
Dazu dann (TK- ) Limettenblätter, Zitronengras (bissl breitklopfen), Chilischoten (die kleinen scharfen)
Limettensaft, auf 1L ca 2 ausgepresste Limetten.
Mit Fischsoße (an Stelle Salz) abschmecken. Am besten ist die von Squid, das Zeug aus deutschen Supermärkten überzeugt meist nicht.
Damit steht die „Basis“, der Rest dann nach Lust und Laune.
Huhn mit dazu, oder halt Garnelen, wie man mag.
Aubergine, Zucchini, Tomate, Schoten, Paprika, Zwiebel, Pilze passt eigentlich alles.
Zum Schluss, ganz wichtig, Koriander. Auch hier, das Zeug aus deutschen Supermärkten sieht oft nur aus wie Koriander, schmeckt aber nach nichts. Das muss beim schneiden richtig Aroma verströmen, dann passt es.
Mal als Ermutigung ohne Paste die noch bessere Suppe zu kochen.
 
Vielen Dank, das ist sehr aufschlussreich.

Also ich muss sagen, ich habe schon mal versucht, die Brühe ohne die Paste zu kochen und frische Zutaten zu nehmen. Galgant in sehr guter Qualität zu bekommen ist kein Problem. Aber ich komme mit der Paste fast besser hin als wenn ich versuche, das Ganze frisch zu kochen. Vor allem weil es mit der Paste absolut gelingsicher ist, furchtbar einfach geht und Galgant ist schließlich auch drin …. Koriander bin ich echter Fan davon, nehme ihn aber nicht für diese Art von Suppe. Dein post soll Ansporn für mich sein, es noch einmal frisch zu versuchen.

@Flashy hat doch jetzt den Pacojet für Arme (wie immer das Ding heißt). Da könnten wir doch mal beim Moritzburg-OT Versuche machen, die Paste selbst herzustellen.

Und dass es Tom Kha Gung heißt, ist kein Klugscheissermodus, sondern Du hast recht, deswegen hab ich den thread nur Tom Kha genannt.
 
welche mir allerdings noch besser schmeckt ist die Real Eigenmarke
gefiel mir früher auch gut - und gerinnte wie "es sich gehört"
leider haben die neuen, Emulgatoren drin - jetzt ist sie wie alle anderen - schade!

Am besten ist die von Squid
brrr....
ich mag die von Megachef

Die Thai tun oft noch etwas Thai-Chili-Paste (nam prik pao) rein (von dem dann das rote öl oben tropfen rumschwimmen.
und in die Paste, auch etwas Korianderwurzel

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Squid ist zumindest laut meinen Freunden aus Thailand das, was dem Original am nächsten kommt.
OK, ich hab mal versehentlich den Löffel abgeleckt… das muss man nicht haben 😂
Ja, das rote öl ist auch was fürs Auge.
Bei meinem Asialaden gibts den Koriander in der Tüte mit Wurzeln. Paar Wurzelstücke und etwas Grünkram am Anfang mit rein, zum Schluss noch etwas oben drauf als Garnitur. Ohne den Geruch des frischen Koriander fehlt was.

Bei dem Foto läuft mir direkt das Wasser im Mund zusammen… lecker
 
Hab grad mal bei mir im Regal geschaut 😅
Auf der Dose steht: Kokosnussfleisch 88%, Wasser 12%
Kann man sich glaub ich nicht beschweren
 
Tolle Suppe Tobias, der Geschmack hat mich in Moritzburg überzeugt.
Früher habe ich Korriander überhaupt nicht gemocht.
Jetzt fehlt er mir, wenn er nicht dabei ist.
Steht jetzt auch im Garten.
Die Wurzeln sind nochmal anders und geben jeder Brühe bzw. Suppe den gewissen Kick.
Übertreiben sollte man aber nicht, sonst gehen die anderen Aromen einfach unter.
Korriander zum garnieren finde ich auch gut.
Die Entscheidung, ob überhaupt und wieviel, kann man gerne seinen Gästen überlassen.
Ich stelle das auf einem extra Teller auf den Tisch.
Daneben auch noch, wer es mag, Holy Basil.
Ich finde das Horapa sehr aromatisch, das wächst jetzt auch im Garten, gleich neben der Kaffir Limette.
Die Pasten, zB. für verschiedene Curry, selber machen ist eigentlich nochmal eine bis drei Stufen höher.
Der Aufwand ist aber doch enorm, deswegen greife ich auch gerne zu den Pasten.
Auf alle Fälle ein spannendes Thema. Da warten noch viele neue Erkenntnisse.
Danke für diesen Thread.
 
Hi Tobi...
Bin ein totaler Noob bei solchen Suppen und möchte nix falsch machen.
Daher meine Frage...
Bei 1 L Suppe
Wieviel ( ca. ) von
dem Galgant
Limettenblätter
Fischsoße
und der Paste
???
 
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