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Hackfleischbällchen in Dillrahm-Sauce mit Schwarzwurzeln

airball

Grillkönig
10+ Jahre im GSV
Heute möchte ich euch mein absolutes Lieblinsgericht für den Herbst und Winter vorstellen: Hackfleischbällchen in Dillrahm-Sauce mit Schwarzwurzeln. Dieses Gericht ist für mich eine echte Kindheitserinnerung, was durchaus kurios ist, da ich aus dem tiefsten Bayern stamme und das Gericht grundsätzlich eher nordische Einflüsse hat.

Die Zutatenliste ist relativ einfach und knapp gehalten:

2kg Schweinehackfeisch
4 Eier
5 mittelgroße Zwieben, fein gewürfelt
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
200g Langkornreis
75g Dill, fein gehackt (frisch oder TK)
4 große Gläser Schwarzwurzeln
2-3 Liter Gemüsebrühe / Wasser
Salz
weißer Pfeffer
400ml Schlagsahne
400g Frischkäse
etwas Butterschmalz

Zubereitung:

Im ersten Schritt nehmen wir uns die vorbereitenden Tätigkeiten zur Brust: Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein würfeln, den Reis abwiegen und die restlichen Zutaten bereitstellen.
Und für den aufmerksamen Leser: Ja, es fehlen auf dem Bild ein Glas Schwarzwurzeln und ein Ei :messer:
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Dann nehmen wir uns den Hauptdarsteller zur Brust - das Hackfleisch:
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Dieses verfrachten wir in eine große Rührschüssel und werten es entsprechend auf: Nebst den Eiern, 4 gehäufte EL Dill, 4 EL Zwiebeln und die Hälfte des Knoblauch kommt nun auch der Reis zum Einsatz. Ja - ganz im Ernst: ungekochter, harter Langkornreis.
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Nachdem wir alle Zutaten ins Hackfleisch eingerarbeitet haben, haben wir im besten Fall einen schönen gleichmäßigen Fleischteig vorliegen, mit dem wir weiterarbeiten können.
Man sieht auf jeden Fall sehr schön, dass sich der Reis im Halckfleisch befindet. Im Normalfall brauchen wir bei dieser Zubereitsungsmethode keine eingeweichte Semmel, Semmelbrösel o.ä. Wenn die Hackfleischmasse zu klebrig ist, kann man mit etwas mehr Reis die Konsistenz noch etwas steuern. Wenn die Konsistenz hinten und vorne nicht passt, kann man aber mit etwas Semmelbrösel das ganze anpassen. Salz und Pfeffer verträgt die Masse reichlich. Einerseits braucht der Reis einiges an Salz, andererseits verlieren die Bällchen beim Garen etwas an Würze an die Sauce.
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Dann geht's an die Filigranarbeit: Knödel formen. Aus den 2kg Hackfleisch sollten ca. 40 Knödel entstehen. hier ist es wichtig, dass man die Knödel nicht zu klein macht. Etwas größer als ein Golfball dürfen sie schon sein.
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Nun kommt einmal mehr der Bräter zum Einsatz: Hier lassen wir etwas Butterschmalz schmelzen und braten die Knödel vorsitchtig bei mittlerer Hitze an.
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Wichtig ist, dass man die Knödel portionswese anbrät - wenn man alle Knödel auf einmal reinwirft, wird's mit dem Wenden schwieriger und die Knödel können aufreissen bzw. ihre Form verlieren.
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Die fertig angebratenen Knödel entnehmen wir und stellen sie beiseite, bis wir alle Knödel fertig angebraten sind.
So in etwa sollen die Knödel dann aussehen. Wichtig: Auf keinen Fall darf man die Knödel durchbraten! Ansonsten nimmt hernach der Reis keine Flüssigkeit mehr auf und gart nicht durch.
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Wenn alle Knödel fertig angebraten sind, geben wir ca. 1 EL Tomatenmark in den Bräter und braten bei niedriger Temperatud die restlichen Zwiebeln und den Knoblauch an. Vom dunklein Bratemsatz braucht man sich nicht schrecken lassen. Hier sollte man nur aktiv etwas entfernen, wenn der Bratensatz schwarz - sprich: verbrannt - ist. Das ganze Fett (und ja, davon kann rel. viel aus dem Hackfleisch austreten) lassen wir im Bräter. Darum kümmern wir uns später.
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Nach ein paar Minuten kommen dann die Bällchen wieder in den Bräter.
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...und dann gießen wir mit 2-3 Liter (je nach Topf-Größe) mit Gemüsebrühe auf. Die Bällchen sollen fast ganz bedeckt sein. Wenn keine Gemüsebrühe zur Hand ist, kann man auch mit Wasser aufgießen und dann entsprechend mit Streuwürze o.ä. nachhelfen. Auf jeden Fall kommt dann er Deckel drauf und wir haben eine gute Stunde Pause. Bei mittlerer Temperatur köcheln wir unser Gericht, wie bei anderen Schmorgerichten auch.
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Nach einer Stunde lüften wir einmal den Deckel. Und siehe da: Die Knödel haben merklich an Volumen zugelegt. Warum? Der Reis nimmt Flüssigkeit auf, quillt auf und die Bällchen werden größer. Dieses Verhalten des Reises stellt auch sicher, dass die Bällchen am ende schön locker werden. Was man hier zudem schön sieht: Im Vergleich zum vorangegangenen Bild ist die oben aufschwimmende Menge an Fett wesentlich mehr geworden. Durch die niedrigen Temperaturen brät sich (teilweise auffallend viel) Fett aus dem Fleisch, das sich an der Oberfläche sammelt. Doch keine Sorge: Darum kümmern wir uns allerdings später.
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Da es ja am Ende eine helle Dillrahm-Sauce werden soll, bereiten wir hier nur alles vor. Grundlegend haben wir hier nun verschiedene Möglichkeiten:

Variante 1) Wir nehmen Unmengen an Sahne / Süßrahm (800 - 1000ml) zur Hand und gießen sie entsprechend in die Sauce. Da die Sache aber eh schon recht reichhaltig ist, rate ich davon ab, außer irgendwer hat das dringende Bedürfnis, schnell an Gewicht zuzulegen.
Variante 2) Wir verwenden 400g Frischkäse (natur oder Kräuter, light-Versionen gehen auch) und 400ml Sahne. So schlägt die Kalorienbombe nicht dermaßen extrem zu. Den Frischkäse rühren wir mit etwas Milch an - so löst er sich schöner in der Sauce auf.

An dieser Stelle würde ich vom Einsatz von Schmand oder Chreme Fraice abraten, da hier die Wahrscheinlichkeit rel. hoch ist, dass sich kleine Klümpchen bilden. Tut zwar dem Geschmack keinen Abbruch, schaut aber nicht toll aus..

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Dann kommt der Dill zum Einsatz. Hier sei angemerkt: Es ist quasi unmöglich, zu viel Dill zu verwenden. Dill schmeckt nur dann richtig gut, wenn richtig viel davon zum Einsatz kommt. Verwendet man zu wenig, schmeckt er nur unterschwellig, was - aus eigener Erfahrung - vielen Leuten nicht zusagt. Auf dem nachfolgenden Bild sieht man etwa nur die Hälfte des Dills, den ich verwendet habe. Ich habe ihn in zwei Etappen in die Sauce eingerüht, damit er sich schön verteilt.
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Zu guter letzt kommen die abgetropften Schwarzwurzeln in den Topf. Nun wird alles einmal durchgerüht. Nun kommt der Deckel für weitere 30 Minuten auf den Bräter. Anschließend ist alles gleichmäßig erhitzt und wir können und der nicht so schönen Sache zuwenden: dem Fett...
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Um sich das Leben so einfach wie möglich zu machen, verwenden wir hier eine kleine Schöpfkelle, mit der wir nahezu alles oben aufschwimmende Fett abschöpfen. Das ist auch schnell erledigt und man sieht erst einmal, welche absurden Mengen an Fett sich hier angesammelt haben. In meinem Fall stolze 350ml - Fett, das am Ende nicht mehr zum Geschmack beiträgt und zudem ein unangenehmes Mundgefühl hinterlässt.
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So in etwas schaut es aus, wenn wir mit dem Fett-Abschöpfen fertig sind. Nun wird auch die helle Sauce ersichtlich, die auf Grund des Tomatenmarks, das wir am Anfang mit den Zwiebeln leicht angebraten haben, eine schöne Farbe ("lachs-farben") hat. An dieser Stelle angekommen würzen wir nochmals mit Salz, Pfeffer und Dill nach, bis der Geschmack passt.
2021-01-24 13.37.31.jpg


Nun müssen wir die Sauce noch abbinden. Hierzu verwende ich Speisestärke, die ich in kaltem Wasser angerührt habe. Der Einsatz von Stärke zum Abbinden haz zudem noch einen weiteren Vorteil: Es bindet das restliche Fett, das an der Oberfläche schwimmt. Man muss nur sicherstellen, dass die Sauce beim Abbinden kocht, dann bindet die Stärke schön und es gibt keine Klümpchen. Das Abbinden mit Stärke hat an dieser Stelle nicht nur Einfluß auf die Konsistenz der Sauce, sondern auch auf die Optik.
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Dann kann das ganze Gericht serviert werden. Als Beilage gibt es ganz einfache Pellkartoffeln. Dies kann man dann schön in die Sauce reindrücken. Schaut zwar dann nicht schön aus, schmeckt aber fantastisch. Ich kann jedem das Gericht wärmstens ans Herz legen. Die Kombination aus Dill und Schwarzwurzeln ist herrlich - da könnte ich drin baden :thumb1:
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Und als ob's noch nicht genung war: Zur Nachspeise gabs einen schönen Apfel-Crumble mit Vanilleeis. Verfeienrt wurde das Ganze dann noch mit einem fantastischen Calvados von Christian Drouin. Dazu möchte ich nur anmerken: Wer Calvados mag, wird die Erzeugnisse von Christian Drouin lieben.
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Vielen Dank fürs Reinschauen. Ich hoffe, euch gefällt mein Rezept.

Ich kann euch nur ans Herz legen, das ganze mal auszuprobieren. Ihr werdet nicht enttäuscht sein :thumb2:
 
Ein Traum! Danke für die tolle Anleitung.

Lieber Gruß aus Tirol Silvia
 
Klasse Gericht :thumb1:
Da muss ich mir gleich einmal ein Lesezeichen setzen.
Das wird definitiv nachgebaut. :messer:

Grüße Stephan
:prost:
 
Toller Bericht! Sehr schön dokumentiert.
Schwarzwurzeln kenne ich noch gar nicht - also, ich weiß schon, daß es die gibt; aber wie sie schmecken, weiß ich nicht.
Dein Gericht sieht so lecker aus, daß ich das wohl mal probieren werde - und dann auch Schwarzwurzeln kenne...

Danke für's Zeigen.

Edit: Kann das eingefroren werden? Für zwei Personen ist die Menge ja sonst etwas viel.


Gruß aus Ostfriesland

Martin
 
Ein tolles Gericht
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Da hätte ich gern eine Portion gehabt
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:prost:
 
Heute möchte ich euch mein absolutes Lieblinsgericht für den Herbst und Winter vorstellen: Hackfleischbällchen in Dillrahm-Sauce mit Schwarzwurzeln. Dieses Gericht ist für mich eine echte Kindheitserinnerung, was durchaus kurios ist, da ich aus dem tiefsten Bayern stamme und das Gericht grundsätzlich eher nordische Einflüsse hat.

Die Zutatenliste ist relativ einfach und knapp gehalten:

2kg Schweinehackfeisch
4 Eier
5 mittelgroße Zwieben, fein gewürfelt
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
200g Langkornreis
75g Dill, fein gehackt (frisch oder TK)
4 große Gläser Schwarzwurzeln
2-3 Liter Gemüsebrühe / Wasser
Salz
weißer Pfeffer
400ml Schlagsahne
400g Frischkäse
etwas Butterschmalz

Zubereitung:

Im ersten Schritt nehmen wir uns die vorbereitenden Tätigkeiten zur Brust: Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein würfeln, den Reis abwiegen und die restlichen Zutaten bereitstellen.
Und für den aufmerksamen Leser: Ja, es fehlen auf dem Bild ein Glas Schwarzwurzeln und ein Ei :messer:
Anhang anzeigen 2426075

Dann nehmen wir uns den Hauptdarsteller zur Brust - das Hackfleisch:
Anhang anzeigen 2426074

Dieses verfrachten wir in eine große Rührschüssel und werten es entsprechend auf: Nebst den Eiern, 4 gehäufte EL Dill, 4 EL Zwiebeln und die Hälfte des Knoblauch kommt nun auch der Reis zum Einsatz. Ja - ganz im Ernst: ungekochter, harter Langkornreis.
Anhang anzeigen 2426076
Nachdem wir alle Zutaten ins Hackfleisch eingerarbeitet haben, haben wir im besten Fall einen schönen gleichmäßigen Fleischteig vorliegen, mit dem wir weiterarbeiten können.
Man sieht auf jeden Fall sehr schön, dass sich der Reis im Halckfleisch befindet. Im Normalfall brauchen wir bei dieser Zubereitsungsmethode keine eingeweichte Semmel, Semmelbrösel o.ä. Wenn die Hackfleischmasse zu klebrig ist, kann man mit etwas mehr Reis die Konsistenz noch etwas steuern. Wenn die Konsistenz hinten und vorne nicht passt, kann man aber mit etwas Semmelbrösel das ganze anpassen. Salz und Pfeffer verträgt die Masse reichlich. Einerseits braucht der Reis einiges an Salz, andererseits verlieren die Bällchen beim Garen etwas an Würze an die Sauce.
Anhang anzeigen 2426077
Dann geht's an die Filigranarbeit: Knödel formen. Aus den 2kg Hackfleisch sollten ca. 40 Knödel entstehen. hier ist es wichtig, dass man die Knödel nicht zu klein macht. Etwas größer als ein Golfball dürfen sie schon sein.
Anhang anzeigen 2426078

Nun kommt einmal mehr der Bräter zum Einsatz: Hier lassen wir etwas Butterschmalz schmelzen und braten die Knödel vorsitchtig bei mittlerer Hitze an.
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Anhang anzeigen 2426080
Wichtig ist, dass man die Knödel portionswese anbrät - wenn man alle Knödel auf einmal reinwirft, wird's mit dem Wenden schwieriger und die Knödel können aufreissen bzw. ihre Form verlieren.
Anhang anzeigen 2426081

Die fertig angebratenen Knödel entnehmen wir und stellen sie beiseite, bis wir alle Knödel fertig angebraten sind.
So in etwa sollen die Knödel dann aussehen. Wichtig: Auf keinen Fall darf man die Knödel durchbraten! Ansonsten nimmt hernach der Reis keine Flüssigkeit mehr auf und gart nicht durch.
Anhang anzeigen 2426082

Wenn alle Knödel fertig angebraten sind, geben wir ca. 1 EL Tomatenmark in den Bräter und braten bei niedriger Temperatud die restlichen Zwiebeln und den Knoblauch an. Vom dunklein Bratemsatz braucht man sich nicht schrecken lassen. Hier sollte man nur aktiv etwas entfernen, wenn der Bratensatz schwarz - sprich: verbrannt - ist. Das ganze Fett (und ja, davon kann rel. viel aus dem Hackfleisch austreten) lassen wir im Bräter. Darum kümmern wir uns später.
Anhang anzeigen 2426083

Nach ein paar Minuten kommen dann die Bällchen wieder in den Bräter.
Anhang anzeigen 2426084

...und dann gießen wir mit 2-3 Liter (je nach Topf-Größe) mit Gemüsebrühe auf. Die Bällchen sollen fast ganz bedeckt sein. Wenn keine Gemüsebrühe zur Hand ist, kann man auch mit Wasser aufgießen und dann entsprechend mit Streuwürze o.ä. nachhelfen. Auf jeden Fall kommt dann er Deckel drauf und wir haben eine gute Stunde Pause. Bei mittlerer Temperatur köcheln wir unser Gericht, wie bei anderen Schmorgerichten auch.
Anhang anzeigen 2426085

Nach einer Stunde lüften wir einmal den Deckel. Und siehe da: Die Knödel haben merklich an Volumen zugelegt. Warum? Der Reis nimmt Flüssigkeit auf, quillt auf und die Bällchen werden größer. Dieses Verhalten des Reises stellt auch sicher, dass die Bällchen am ende schön locker werden. Was man hier zudem schön sieht: Im Vergleich zum vorangegangenen Bild ist die oben aufschwimmende Menge an Fett wesentlich mehr geworden. Durch die niedrigen Temperaturen brät sich (teilweise auffallend viel) Fett aus dem Fleisch, das sich an der Oberfläche sammelt. Doch keine Sorge: Darum kümmern wir uns allerdings später.
Anhang anzeigen 2426087

Da es ja am Ende eine helle Dillrahm-Sauce werden soll, bereiten wir hier nur alles vor. Grundlegend haben wir hier nun verschiedene Möglichkeiten:

Variante 1) Wir nehmen Unmengen an Sahne / Süßrahm (800 - 1000ml) zur Hand und gießen sie entsprechend in die Sauce. Da die Sache aber eh schon recht reichhaltig ist, rate ich davon ab, außer irgendwer hat das dringende Bedürfnis, schnell an Gewicht zuzulegen.
Variante 2) Wir verwenden 400g Frischkäse (natur oder Kräuter, light-Versionen gehen auch) und 400ml Sahne. So schlägt die Kalorienbombe nicht dermaßen extrem zu. Den Frischkäse rühren wir mit etwas Milch an - so löst er sich schöner in der Sauce auf.

An dieser Stelle würde ich vom Einsatz von Schmand oder Chreme Fraice abraten, da hier die Wahrscheinlichkeit rel. hoch ist, dass sich kleine Klümpchen bilden. Tut zwar dem Geschmack keinen Abbruch, schaut aber nicht toll aus..

Anhang anzeigen 2426088

Dann kommt der Dill zum Einsatz. Hier sei angemerkt: Es ist quasi unmöglich, zu viel Dill zu verwenden. Dill schmeckt nur dann richtig gut, wenn richtig viel davon zum Einsatz kommt. Verwendet man zu wenig, schmeckt er nur unterschwellig, was - aus eigener Erfahrung - vielen Leuten nicht zusagt. Auf dem nachfolgenden Bild sieht man etwa nur die Hälfte des Dills, den ich verwendet habe. Ich habe ihn in zwei Etappen in die Sauce eingerüht, damit er sich schön verteilt.
Anhang anzeigen 2426089
Zu guter letzt kommen die abgetropften Schwarzwurzeln in den Topf. Nun wird alles einmal durchgerüht. Nun kommt der Deckel für weitere 30 Minuten auf den Bräter. Anschließend ist alles gleichmäßig erhitzt und wir können und der nicht so schönen Sache zuwenden: dem Fett...
Anhang anzeigen 2426090

Um sich das Leben so einfach wie möglich zu machen, verwenden wir hier eine kleine Schöpfkelle, mit der wir nahezu alles oben aufschwimmende Fett abschöpfen. Das ist auch schnell erledigt und man sieht erst einmal, welche absurden Mengen an Fett sich hier angesammelt haben. In meinem Fall stolze 350ml - Fett, das am Ende nicht mehr zum Geschmack beiträgt und zudem ein unangenehmes Mundgefühl hinterlässt.
Anhang anzeigen 2426092

So in etwas schaut es aus, wenn wir mit dem Fett-Abschöpfen fertig sind. Nun wird auch die helle Sauce ersichtlich, die auf Grund des Tomatenmarks, das wir am Anfang mit den Zwiebeln leicht angebraten haben, eine schöne Farbe ("lachs-farben") hat. An dieser Stelle angekommen würzen wir nochmals mit Salz, Pfeffer und Dill nach, bis der Geschmack passt.
Anhang anzeigen 2426093

Nun müssen wir die Sauce noch abbinden. Hierzu verwende ich Speisestärke, die ich in kaltem Wasser angerührt habe. Der Einsatz von Stärke zum Abbinden haz zudem noch einen weiteren Vorteil: Es bindet das restliche Fett, das an der Oberfläche schwimmt. Man muss nur sicherstellen, dass die Sauce beim Abbinden kocht, dann bindet die Stärke schön und es gibt keine Klümpchen. Das Abbinden mit Stärke hat an dieser Stelle nicht nur Einfluß auf die Konsistenz der Sauce, sondern auch auf die Optik.
Anhang anzeigen 2426094

Dann kann das ganze Gericht serviert werden. Als Beilage gibt es ganz einfache Pellkartoffeln. Dies kann man dann schön in die Sauce reindrücken. Schaut zwar dann nicht schön aus, schmeckt aber fantastisch. Ich kann jedem das Gericht wärmstens ans Herz legen. Die Kombination aus Dill und Schwarzwurzeln ist herrlich - da könnte ich drin baden :thumb1:
Anhang anzeigen 2426095

Und als ob's noch nicht genung war: Zur Nachspeise gabs einen schönen Apfel-Crumble mit Vanilleeis. Verfeienrt wurde das Ganze dann noch mit einem fantastischen Calvados von Christian Drouin. Dazu möchte ich nur anmerken: Wer Calvados mag, wird die Erzeugnisse von Christian Drouin lieben.
Anhang anzeigen 2426096

Vielen Dank fürs Reinschauen. Ich hoffe, euch gefällt mein Rezept.

Ich kann euch nur ans Herz legen, das ganze mal auszuprobieren. Ihr werdet nicht enttäuscht sein :thumb2:
Fein gemacht und eine super detaillierte Anleitung :thumb2:
 
Das sieht ja mal lecker aus.
Schwarzwurzeln sind mir lieber als Spargel oder ähnliche ach so tolle Gemüse.
Kann man auch frisch kaufen, habe ich gehört, ist aber eine ziemliche Sauerei,
die zu putzen.
 
Wow, klasse Gericht.
Wenn der Weg nach Süddeutschland nicht so weit wäre, hätte ich mir glatt eine Portion abholen wollen.
1611607592203.gif
für dein Rezept.
 
Wow ... das klingt gut und schaut auch extrem gut aus :wiegeil:
Echt klasse !!
 
Superheftig ,alleine diese Kugeln und die Röstaromen lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen... :thumb2:
Danke für die netten Worte. Von den Röstaromen ist am Ende nach der Kochzeit nicht mehr viel zu sehen. Aber der Geschmack ist einfach da :thumb2:


Ein Traum! Danke für die tolle Anleitung.

Lieber Gruß aus Tirol Silvia
Gern geschehen. Ich find's immer wieder lustig zu sehen, wie aus einem grundlegend "roten" Saucen-Ansatz am Ende eine helle Sauce wird.
...die Magie des Kochens eben :messer:

Glatte Eins, setzen..:respekt:
Das Lob nehm ich gern an :gratuliere:

Feist :thumb1:
Das richtige Essen bei so Wetter.
So ist es. Schmuddelwetter und kalter Winter sind einfach die besten Gründe für so ein Essen.
...ist einfach was für die Seele

Klasse Gericht :thumb1:
Da muss ich mir gleich einmal ein Lesezeichen setzen.
Das wird definitiv nachgebaut. :messer:

Grüße Stephan
:prost:
Na da bin ich doch auf dein Feedback gespannt. Ich bin mir sicher, dass es dir schmecken wird.
...zumindest ist mir bisher noch keiner untergekommen, dem es nicht gemundet hat :D

Toller Bericht! Sehr schön dokumentiert.
Schwarzwurzeln kenne ich noch gar nicht - also, ich weiß schon, daß es die gibt; aber wie sie schmecken, weiß ich nicht.
Dein Gericht sieht so lecker aus, daß ich das wohl mal probieren werde - und dann auch Schwarzwurzeln kenne...

Danke für's Zeigen.

Edit: Kann das eingefroren werden? Für zwei Personen ist die Menge ja sonst etwas viel.

Gruß aus Ostfriesland
Martin
Grüß dich Martin,
das musst du einfach mal probieren. Schwarzwurzeln sehen zwar aus wie Spargel, haben aber geschmacklich nicht viel damit gemein.
Und das Gericht ist wirklich genial. Einfrieren kann man das auch problemlos - deswegen mach ich immer rel. viel. Einzig nach dem Auftauen muss man sich nochmals um die Sauce kümmern. Entweder ist sie am Ende etwas zu dick oder zu flüssig. Aber das kann man leicht korrigieren. Aber du kannst natürlich auch nur die Hälfte machen, dann bleibt weniger.

Ein tolles Gericht Anhang anzeigen 2426369

Da hätte ich gern eine Portion gehabt Anhang anzeigen 2426368

:prost:
Einfach mal ausprobieren, Torsten. Eigentlich ist es nicht viel Arbeit, wenn mal die Knödel gedreht sind.
Und am Ende ist es die Arbeit auf jeden Fall wert.

Fein gemacht und eine super detaillierte Anleitung :thumb2:
Gern geschehen!

Das sieht ja mal lecker aus.
Schwarzwurzeln sind mir lieber als Spargel oder ähnliche ach so tolle Gemüse.
Kann man auch frisch kaufen, habe ich gehört, ist aber eine ziemliche Sauerei,
die zu putzen.
Mir auch. ich mag Spargel überhaupt nicht. Aber Schwarzwurzeln sind toll - vor allem in diesem Gericht.
Schwarzwurzeln frisch zuzubereiten ist schon mit einem hohen Maß an Masochismus verbunden. Ich hab das einmal gemacht - NIE wieder :ni:
Abgesehen davon, dass es extrem viel Aufwand ist: frische Schwarzwurzeln sind bei uns extrem teuer, wenn man sie überhaupt bekommt.

Wunderbar gemacht. Gefällt mir sehr gut :thumb2:
Danke dir!

Wow, klasse Gericht.
Wenn der Weg nach Süddeutschland nicht so weit wäre, hätte ich mir glatt eine Portion abholen wollen.
Anhang anzeigen 2426680 für dein Rezept.
Na ja, in deinem Fall ist der Weg gen Norden wohl kürzer. Eigentlich kommt das Gericht aus Skandinavien, wobei hier die Meinungen auseinandergehen.
Manche behaupten, dass dieses Gericht aus Hessen ("Storzenieren mit Hack") stammt, mache sagen, dass Polen der Ursprung ist ("Pulpety").

Ist aber im Endeffekt auch egal. Hauptsache es schmeckt!

Wow ... das klingt gut und schaut auch extrem gut aus :wiegeil:
Echt klasse !!

Einfach mal ausprobieren - es schmeckt, wie es ausschaut :)
 
Na dann viel Erfolg :) Ich freu mich schon auf dein Feedback!

Pro Person kann man 2-4 Bällchen rechnen, je nachdem wie groß der Hunger ist und wie viele Kartoffeln man sich als Beilage nimmt.
Ich bin ein guter Esser und reiche meistens mit 3 Stück.
 
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